Keine Frauen gewünscht – Blaukittel stimmen über Satzungsänderung ab

Zur außerordentlichen Versammlung lud der Vorstand seine Mitglieder ein. Ein Antrag zur Satzungsänderung stand zur Abstimmung.

120 Mitglieder folgten, viele waren im Blaukittel erschienen. Einziger Punkt der Versammlung war die Abstimmung zur Satzungsänderung. Brudermeister Peter Schmidt leitete durch die Versammlung und erläuterte nochmals den Hergang zum Antrag: Andreas Kieserling hatte zur letzten Jahreshauptversammlung im Frühjahr den Antrag gestellt, bei den Paragraphen 1 und 3 das Wort „Männer“ zu ändern in „Menschen“.

Der Vorstand der Blaukittel griff den Antrag von Kieserling auf und beriet intern. Ein angepasster Vorschlag wurde ausgearbeitet und zur außerordentlichen Versammlung von Markus Bussmann präsentiert.

Im Kern geht es beim Antrag darum, den Schützenverein für Frauen zu öffnen.In den meisten Bruderschaften der Umgebung ist dieser Schritt bereits erfolgt. In 2023 haben Schützenköniginnen in Westönnen und Sönnern Schlagzeilen gemacht. Nun sollten die Büdericher Blaukittel über den Antrag abstimmen.

Der Vorstand mit Markus Bussmann, Peter Schmidt und Ludger Hante haben die Auszählung verfolgt.

Von den 120 anwesenden Mitgliedern stimmten wie folgt ab:
56 Stimmen für die Satzungsänderung
57 Stimmen gegen die Satzungsänderung
7 Stimmen Enthaltung

Somit stimmte die Mehrheit gegen eine Satzungsänderung. Ein Alleinstellungsmerkmal für Büderich? In Holtum stand das Thema bisher nicht zur Diskussion. Brudermeister Peter Schmidt zum Ergebnis: „Ich bin überrascht, hatte mit einem eindeutigeren Ergebnis gerechnet.“

Beitrag von Peter Kothenschulte

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16 Antworten

  1. Warum wurde der Antrag nicht von Frauen gestellt? Wieviele Frauen wollen es denn wirklich? Also einen blauen Kittel am Schützenfest tragen? Ich bin nicht dagegen, aber ich sehe hier bisher keine Notwendigkeit für den Schritt.

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    1. Hallo Anonymus. Ihre Frage kreiste bereits mehrfach in den Runden der Blaukittel. Die Antwort ist simpel: Satzungsänderungen können nur von Mitgliedern beantragt werden.
      Hört man sich im Dorf um, vernimmt man allerdings Äußerungen, dass sich Mädchen und Frauen anschließen möchten. Die Notwendigkeit muss nun der Vorstand der Büdericher Schützenbrüder herausstellen, wie es Peter Schmidt im Interview mit dem Soester Anzeiger vom 12.Oktober formulierte: „Peter Schmidt plant neuen Anlauf für Frauen in der Bruderschaft.“

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  2. Schützenfest- das für mich schönste Wochenende, auf das ich mich das ganze Jahr freue. Wenn es nur noch 100 Tage abzuwarten gibt, dann liebe ich es, bei der Scheune im Dorf am Kriegerdenkmal vorbeizufahren und den Countdown zu sehen. Ich liebe es, wenn die Familie mich daran erinnert, dass es nicht mehr lange ist, bis wieder die grün- weißen Fahnen im Wind wehen, das ganze Dorf in Schützenfeststimmung ist und die Blaskapelle „die Vogelwiese“ spielt.

    Schon seitdem ich ein kleines Kind bin, gehe ich zum Büdericher Schützenfest. Auch, wenn ich damals wohl viel davon verschlafen habe, war es für mich schon das schönste Gefühl, wenn Mama an den besonderen Schrank ging, um mir meinen mini- Blaukittel rauszuholen. Ich durfte ihn tragen.
    Schon als kleines Kind wünschte ich mir, dass ich auch weiterhin jedes Jahr wie mein Papa bei den Großen mit am Tisch zum „Frühschoppen“ sitzen und dass ich auch weiterhin jedes Jahr den König abholen dürfte.
    Leider wurde ich irgendwann enttäuscht, weil ich zu einem richtigen Mädchen heranwuchs, dem es verwehrt blieb, als Schützin aktiv zu sein.
    Es war okay, weil man es nicht anders kannte. In keinem anderen mir bekannten Dorf, keinem anderen mir bekannten Verein durften Mädchen und Frauen in den Verein treten. Irgendwann änderte sich aber auch das und mehr und mehr Vereine und Dörfer wurden offen für Frauen.
    Auch in Büderich gab es immer wieder Diskussionen und die Hoffnung war groß, dass sich endlich etwas ändern würde.
    Leider wurde ich- wie auch viele andere Büdericherinnen- durch Ablehnung der Satzungsänderung, durch die ein Eintritt nicht nur von Männern, sondern von allen Menschen möglich wäre, bitter enttäuscht.
    Die Wut ist groß und und das Verständnis wirklich minimal.
    Wie kann der größte Ortsteil aus Werl eine für dieses Zeitalter so antiquierte Entscheidung treffen?

    Zunächst danke an die 56 Männer, die Wert darauf legen, dass es allen Menschen möglich ist, Teil des Schützenvereins zu sein. Danke, dass ihr es uns möglich machen wolltet.

    Ich war schon immer stolz darauf, eine Büdericherin zu sein. Mich trieb es noch nie weit weg, weil ich am allerliebsten in meiner Heimat, in meinem Dorf bin.
    Weil ich allerdings nicht Tennis spiele, tanze, Friseurin bin oder Teil der KfD sein möchte, gehöre ich nirgendwo hin, passe nirgendwo rein. Es ist schade, weil ich mich das erste Mal seit gestern von dem Gedanken als stolze Büdericherin entfernt habe.
    Hier komme ich her, hier bin ich zuhause, aber so will ich hier nicht bleiben.

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    1. Danke für das Interesse an unseren Beiträgen. Sicher gibt es zum ein oder anderen Thema durchaus unterschiedliche Meinungen und wir freuen uns über einen regen Austausch auf büderich.digital. Dennoch bitten wir darum auf die Netiquette-Regeln zu achten. Eine Auseinandersetzung zur Thematik ist durchaus erwünscht, aber es gehört zu einer gesunden Streitkultur dazu nicht beleidigend zu werden. Danke!

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  3. Ich bin echt schockiert über dieses Ergebnis.
    Für mich stellt sich gerade einfach nur die Frage, was sehen diese Männer, die mit nein gestimmt haben , eigentlich in uns Frauen? Schließlich, so denke ich, ist ein Großteil dieser Männer ja selbst verheiratet… Haben sich also in diesem Moment nicht nur allgemein gegen Frauen entscheiden, sondern ganz speziell auch gegen die eigene Frau! Ihre Gefährtin! Ihre Partnerin! Gegen den Menschen mit dem sie Bett und Tisch teilen, mit dem sie doch eigentlich durch dick und dünn gehen sollten… Ich hoffe wirklich, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist!

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  4. Die Abstimmung hat gezeigt, dass das Konzept der Änderung den meisten Schützenbrüdern nicht gefällt, da sie befürchten, die Identität und Tradition ihrer Bruderschaft zu verlieren. Für die Zukunft muss daher überlegt werden, wie den Wünschen der Mitglieder, die sich derzeit noch gegen einen solchen Schritt aussprechen, entsprochen werden kann. Eine Idee wäre z.B., die Satzung der Bruderschaft unangetastet zu lassen und sich darauf zu einigen, dass die Frauen einen eigenen Verein und einen eigenen Tag mit Prinzessinnenschießen bekommen. Das wäre ein weiterer toller Tag für das Dorf, an dem die neuen Schützenschwestern im Mittelpunkt stehen und nicht bei einem so großen Schützenfest wie in Büderich im Hintergrund verschwinden. Bei den Umzügen am Samstag und Sonntag müssen sie natürlich trotzdem mitmarschieren dürfen, das wäre das Einzige, was die Schützenbrüder zulassen müssten. Die meisten Schützenbrüder sind der Meinung, dass Tradition und Vereinskultur nicht unsichtbar gemacht werden dürfen.

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    1. Spannende Interpretation meines Vorredners, bei einer Stimme Mehrheit von einem knappen Sechstel der Stimmberechtigten davon zu sprechen, dass den meisten Büdericher Schützenbrüdern eine Satzungsänderung nicht gefällt. Ich würde hier ehr von Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema seitens der meisten Mitglieder sprechen. Warum die Mitgliedschaft von Frauen jetzt Tradititon und Vereinskultur unsichtbar machen, erschließt sich mir allerdings nicht.

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      1. Natürlich kann ich bei einer Mehrheitsabstimmung in einer Versammlung, zu der satzungsgemäß eingeladen wurde, von der Mehrheit der Schützenbrüder sprechen. Das Thema ist keineswegs gleichgültig und ich kann auch verstehen, dass man als Abstimmungsverlierer sehr emotional aufgeladen ist, was auch in den Kommentaren unter diesem Beitrag zu erkennen ist. Tradition und Vereinskultur werden unsichtbar gemacht, weil man der Definition einer Bruderschaft nicht mehr gerecht wird und sich die Schützenbrüder nicht mehr mit dem Begriff Bruderschaft identifizieren können. Leider stelle ich bei der ganzen Thematik fest, dass es keine allgemeine Kompromissbereitschaft gibt, was ich persönlich sehr schade finde. Vielmehr wird stur versucht, den eigenen Willen durchzusetzen, so dass am Ende immer eine Partei verärgert ist.

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  5. Ein Armutszeugnis für die Blaukittel, eine Katastrophe für unser Dorf Büderich. Das ist ein Tiefpunkt für die Bruderschaft und an Peinlichkeit nicht zu überbieten.

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  6. Schade. Da scheinen ja eine Menge Männer zu denken, dass sie Frauen nur zur Deko brauchen. Anerkennung aller Menschen als gleichberechtigt und gleichgestellt sieht anders aus.

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  7. Ein solch reaktionäres Verhalten hatte ich nicht erwartet, es ist für Büderich einfach nur peinlich. Da wurde die gesamte Bruderschaft lächerlich gemacht.

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    1. Die Zeit in der die Frauen am Herd stehen und Wäsche waschen ist vorbei. Die Rolle der Frau hat sich geändert. Die Männer die gegen die Änderung sind, haben sich hinter der Tradition versteckt, sind generell frauenfeindlich und bestimmen aber allgemein über Frauen auch im Alltag. Die Frauen dessen Männer für nein gestimmt haben, sollten generell ihre Tätigkeiten für den Schützenverein einstellen z.B. Kittel waschen, hilfe bei Veranstaltung unter anderem die Unterstützung beim Oktoberfest. Vielleicht werden die Männer dann mal merken wie wichtig Frauen für den Verein sind.

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  8. Da sieht man die Rückständigkeit von Büderich. In keinsterweise vorrausschauend Denken. Vor vierzig Jahre hätte ich nichts anderes erwartet.

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