Die verfehlte Satzungsänderung ist dem Vorstand ein Dorn im Auge. Brudermeister Michael Plott bezieht Stellung.
Zur Stellungnahme des Vorstands ist auch Schriftführer Daniel Jeska anwesend. Beide bekräftigen, dass die Satzungsänderung und damit einhergehend die Öffnung für Frauen in die Bruderschaft vom Vorstand ausdrücklich gewollt ist.
„Das Ergebnis war denkbar knapp. Die erforderliche Mehrheit wurde nur um 7 Stimmen verfehlt“ erklärt Plott nochmals die Enttäuschung der Abstimmung bei der Generalversammlung am 20.09.2025. Dennoch sieht der Brudermeister auch eine positive Seite: „Es hat sich gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit für die Öffnung unserer Bruderschaft gestimmt hat, leider nicht ausreichend für die notwendige Satzungsänderung.“
Der Wahlausgang schlug noch am Abend der Versammlung hohe Wellen und viele Kommentare gingen in den sozialen Medien und auf büderich.digital ein, ebenso beim Werler Anzeiger. Das Thema polarisierte und noch auf der Generalversammlung war von Austritten einiger Blaukittel die Rede. „Ein Austritt kann keine Lösung sein. Gerade jetzt brauchen wir Zusammenhalt und Dialog, nicht Spaltung“ bekräftigt Brudermeister Plott das Ziel, die Satzungsänderung weiter anzutreiben.

In den vergangenen Monaten hat sich auf Einladung des Vorstandes eine Gruppe junger Frauen gebildet und mehrmals getroffen. Es wurden gemeinsam Ideen entwickelt, wie eine Mitgliedschaft und vor allem Mitarbeit in der Bruderschaft aussehen kann. Jeska bedauert, dass diese Gruppe sich aufgelöst hat, zu groß war auch hier die Enttäuschung über die Ablehnung.
„Wir gehen davon aus, dass bald wieder ein Antrag auf Satzungsänderung beim Vorstand eingehen wird“ ist sich Plott sicher. Er möchte die Blaukittel gerne mitnehmen und überzeugen. Konkret spricht er davon, die Schützen einzuladen und einen Gesprächsabend anzubieten Beim“Schützen-Talk“, wie der Abend heißen kann, möchte der Vorstand ins Gespräch kommen. „Gerne mit den Mitgliedern, die sich gegen die Öffnung ausgesprochen haben“, ergänzt Schriftführer Daniel Jeska.
Beim Gespräch mit den Mitgliedern soll es aber noch um mehr gehen. „Das Thema Jugendarbeit ist uns sehr wichtig, hier sehen wir großes Potential. Das geht nur ohne Ausschluss der weiblichen Mitglieder“ merkt Jeska an.
„Wir respektieren das demokratische Ergebnis der Wahl. Gleichzeitig sehen wir es als Auftrag, weiter im Gespräch zu bleiben und Wege zu finden, wie wir unseren Verein gemeinsam stark, lebendig und zukunftsfähig halten können!“ (Brudermeister M.Plott)
„Diese Zukunftsfähigkeit muss auch rechtlich einwandfrei abgesichert sein“, merkt Plott an. Im Jahr 2017 erging ein Urteil des Bundesfinanzhofes zum Thema Gemeinnützigkeit, es ging es um den Verstoß gegen den Gleichheitssatz gemäß Artikel 3 Abs. 3 Grundgesetz. Konkret bedeutet es: Ein Verein darf nur dann als gemeinnützig gelten, wenn er die Allgemeinheit fördert und niemanden ohne guten Grund ausschließt.
Plott sucht dazu den Kontakt mit dem BDHS (Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften e.V). Die Büdericher Blaukittel vertreten laut Satzung die Ideale des BDHS. Bemerkenswert ist, dass der BDHS bereits 2017 eine Öffnung der Bruderschaften empfohlen hat!
| Wer gerne tiefer in das Thema einsteigen möchte: der BDHS hat im Orientierungsrahmen aus dem Jahr 2017 seinen Bruderschaften größere Entscheidungsfreiheit gegeben und schreibt: „Die Schützenbruderschaft ist eine Vereinigung christlicher Personen.“ Der ganze Beschluss der Bundesvertreterversammlung 2017 ist hier nachzulesen. |
Beitrag von Peter Kothenschulte