Schützen haben abgestimmt: Frauen dürfen nicht in die Bruderschaft

Schützen haben abgestimmt: Frauen dürfen nicht in die Bruderschaft

Autor & Redaktion ✍️ Peter Kothenschulte

Seltenes Bild zu einer Versammlung der Kunibertschützen: eine sehr gut gefüllte Schützenhalle. Und fast alle Mitglieder trugen ihren Blaukittel. Das hatte einen guten Grund: die Abstimmung über die Satzungsänderung.

Doch der Reihe nach: Turnusmäßig stand die Schützenfestabrechnung an. Brudermeister Michael Plott begrüßte die Mitglieder und freute sich über das zahlreiche Erscheinen. Es folgte das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder.

Schriftführer Daniel Jeska verlaß das Protokoll der letzten Generalversammlung und dankte somit nochmals Dr. Ludger Hante, der die Kunibertschützen nach dem plötzlichen Ausscheiden von Brudermeister Peter Schmidt ein Jahr lang geführt hatte, bevor Michael Plott das Amt des Brudermeisters bei der letzten Generalversammlung übernahm.

Im Bericht zum diesjährigen Schützenfest erinnerte Jeska an das Vogelschießen, welches König Christoph Hölscher bereits mit dem 126. Schuss beendete und mit seiner Königin Nicole Horstmann sowie einem tollen Hofstatt zu einem gelungenen Fest beitrug.

Geschäftsbericht zum Schützenfest

Benedikt Schumacher hatte als Geschäftsführer allen Grund zur Freude, denn in diesem Jahr wurde ein guter Gewinn beim Schützenfest erzielt. Schumacher erklärte dazu: „Nach dem Fest 2024 mit einem leichten Minus haben wir einige Kostenpositionen reduzieren können.“ Zu den Umsatzmengen teilt er mit, dass zwar weniger Fassbier als im Vorjahr verzapft wurde, aber der Anteil an alkoholfreien Getränken stark gestiegen sei. Für das Schützenfest 2026 prognostizierte er einen Anstieg des Bierpreises sowie der Lohnkosten, der Vorstand wolle aber weitere Kostenreduzierungen prüfen.

Wahl der Kassenprüfer

Gleich drei Kassenprüfer wurden vorgeschlagen und auch alle gewählt: Heribert Schröder, Jörg Hansner und Peter Kothenschulte. Alle drei wurden auch bei der späteren Auszählung der Stimmzettel eingesetzt.

Abstimmung über Satzungsänderung

Punkt 21 Uhr läutete Brudermeister Michael Plott die nächste Runde ein: die Außerordentliche Generalversammlung.

Nach dem Antrag zur Satzungsänderung, der von Johannes Schröter eingereicht wurde, sollten die Mitglieder nun darüber abstimmen. Der Vorstand hatte im Vorfeld ein gute Übersicht der betreffenden Paragraphen erstellt und öffentlich gemacht.

Kreative Befürworter

Aus der ersten Abstimmung 2023 hatten die Verantwortlichen dazugelernt und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Das Ergebnis aus der vorigen Abstimmung war eine Stimme Mehrheit gegen eine Satzungsänderung. Deshalb setzte der Vorstand auf Aufklärung und Brudermeister Plott sprach in seiner Rede vor der Abstimmung von Werten, Zusammenhalt, Respekt und Zukunft: „Die Tradition prägt uns, sie darf aber kein starres Korsett sein. Wir wollen gleichberechtigt Vereinsleben gestalten.“ Auch das die Bruderschaft eine Bruderschaft bleibt und die Rosenkavaliere die Rosenkavaliere bleiben, verdeutlicht Plott. Er spricht die Blaukittel direkt an: „Wir wollen nicht trennen, wir wollen verbinden – lasst uns gemeinsam ´ja´ sagen.“

Holpriger Anlauf

Nach einem Antrag zur geheimen Wahl ist der Verlauf erst sehr holprig. Es besteht zuerst keine Klarheit über geheime oder öffentliche Wahl. Eine Abstimmung dazu ergibt, dass geheim gewählt werden soll.

Das Ergebnis: von 195 anwesenden Mitgliedern sind 3 Stimmen ungültig. Gegen die Satzungsänderung stimmten 55 Mitglieder (29%). Für die Satzungsänderung stimmten 137 Mitglieder (71%). Eine Satzungsänderung bedarf einer Mehrheit von 75%, somit gibt es keine Satzungsänderung.

Der Vorstand um den zweiten Brudermeister Christian Bußmann zeigte sich enttäuscht, hatten sie in den letzten Monaten viel Zeit investiert und einige Treffen mit interessierten Mädchen und Frauen organisiert, viele Gespräche geführt und Ideen gesammelt. Dennoch wird bei einem nächsten Antrag der Vorstand wieder alle Kraft einsetzen, um auch die letzten Zweifel auszuräumen.

Fassanstich zum Oktoberfest

Traditionell wird der Fassanstich zum Oktoberfest bei der Herbstversammlung verlost. Die Rosenkavaliere freuen sich auf ihr Fest am 18.10. und Kommandeur Jannis Bussmann berichtete, dass die Eintrittskarten wieder sehr gut verkauft wurden.

Den Fassanstich gewann Norbert Dümpelmann. Es gratuliert König Christoph Hölscher und Jannis Bussmann (v.l.n.r.)

Beitrag von Peter Kothenschulte / Fotos Jasper Kortmann und Peter Kothenschulte

31 Antworten

  1. So ein Schwachsinn, hier mit „Demokratie“ zu argumentieren. Wenn es danach geht, hat die Mehrheit der Schützen FÜR die Frauen gestimmt. Aber die Satzung, demnach 75 Prozent notwendig sind, spielt den wenigen Rebellen in die Karten. Noch…

  2. Wie unfassbar peinlich für die Schützenbruderschaft. Mit dieser Entscheidung hat sich der Verein schwersten Schaden selbst zugefügt. Das öffentliche Ansehen fällt ins bodenlose.

    1. Schaden bringen eher Kommentare wie der ihre.

      Ein Abstimmungsergebnis hat man zu akzeptieren, das nennt sich Demokratie. Bei Nichtgefallen, das Ergebnis im Nachhinein verbal zu torpedieren, zeugt von wenig Respekt gegenüber der Meinung anderer. Damit spalten Sie, damit schaden SIE dem Verein.
      Die Fähigkeit, Meinungen / Abstimmungsergebnisse zu akzeptieren, ist vielen in unserer Gesellschaft abhanden gekommen und sorgt für Zwist und böses Blut aller Orten.
      Dieses Verhalten erinnert an kleine, trotzköpfige Kinder, die an der Supermarktkasse kreischen und auf den Boden stampfen, weil sie ihren Willen nicht durchgesetzt bekommen, unreifer geht es kaum.

      1. Hallo, da möchte ich widersprechen. Niemand stellt die Demokratie oder das Abstimmungsergebnis als solches infrage. Dass eine 3/4-Mehrheit nötig war und nicht erreicht wurde, ist ein Fakt, den man akzeptieren muss.
        Aber Demokratie bedeutet nicht, dass man danach den Mund halten soll. Zur Demokratie gehört genauso das Recht, ein Ergebnis kritisch zu hinterfragen und darüber zu diskutieren. Genau das tuen wir!
        Kritisiert wird nicht das Verfahren, sondern das Ergebnis – und die dahinterstehende Haltung einiger Mitglieder, Frauen weiterhin außen vor zu lassen. Diese Diskussion hat nichts mit „trotzköpfigen Kindern“ zu tun, sondern mit dem berechtigten Wunsch nach Gleichberechtigung.

        Und noch ein Punkt: Unter dem Namen „Mitleser“ zu kommentieren, ohne wirklich zu seiner Meinung zu stehen, ist schon sehr feige.

  3. Also erstmal: Natürlich war die Abstimmung demokratisch, daran rüttelt niemand. Es ging um die 3/4-Mehrheit, und da kann man nichts machen. Kritisiert wird nicht der Prozess, sondern das Ergebnis – nämlich, dass es noch genug Männer gibt, die gegen die Aufnahme von Frauen gestimmt haben.
    In vielen Köpfen herrscht leider noch ein sehr patriarchales Denken. Frauen helfen im Hintergrund, in der Küche oder bei den Vorbereitungen, aber Mitglied werden dürfen sie nicht. Dabei sollte es heute selbstverständlich sein, dass Frauen den gleichen Stellenwert haben wie Männer. In vielen Schützenvereinen ist es längst normal, dass Frauen dazugehören.
    Und noch ein Punkt: Ich finde, man sollte zu seiner Meinung stehen und nicht anonym kommentieren – so wie ich es hier auch tue.

  4. Es ist nicht nur schade, sondern auch ein herber Verlust, dass es in heutiger Zeit bei einer so bedeutungsvollen Abstimmung zu solch einem Fiasko kommt. Unsere Vorahnen waren uns scheinbar um Jahre voraus, als sich die Blaukittel dazu entschieden zum Stangenabend anders als es Jahrhunderte vorher üblich war, nun doch die Anwesenheit von Damen zum Vogelschießen zuzulassen. Welch ein Fortschritt zu damaliger Zeit. Wie alle wissen, damals wie heute, eine absolute Bereicherung des Festes!
    Wer es, von den bei der Abstimmung anwesenden Schützenbrüdern mal geschafft hat über die Büdericher Flurgrenzen hinaus zu den Nachbarn zu schauen, hätte feststellen können, das es durchweg nur positive Entwicklungen mit den den zugewonnenen Damen zu verzeichnen gibt.
    Leider konnte ich an der Versammlung bzw. Abstimmung wegen Verhinderung nicht teilnehmen und hatte schon in Befürchtung an den Ausgang der Wahl an eine Briefwahl gedacht, was leider unsere Statuten nicht hergeben, nur anwesende Schützenbrüder sind stimmberechtigt.
    ..warum eigentlich???
    Ja, es ist richtig, dass wir in einer Demokratie leben, aber sollte den Blick in die Zukunft nicht verlieren.
    Diese Wahl verlief m. E. frei nach dem Motto: „Vorwärts Kameraden es geht zurück“.

  5. Wie rechtfertigt man seine Entscheidung eigentlich am Küchentisch, mit der Frau, Tochter, Mutter, Schwiegertochter, Enkelin etc?Die Argumente würden mich interessieren. Befürchte das werden einsame und arme Jahre in der Zukunft für Büderich.

  6. Hi
    Bist du dir mit der Aussage sicher, daß fast alle Schützenvereine Frauen als vollwertige Mitglieder zulassen?
    Woher kommt diese Kenntnis genau?
    Ich habe das mal versucht zu recherchieren. Mein Ergebnis war nicht wirklich belastbar. Ich komme auf ca. 75 Vereine oder Bruderschaften in Summe im Kreis Soest und meine Stichproben ergaben, daß ca. 50% Männer und Frauen zulassen.
    Gruß
    Ped

  7. Es ist kaum zu fassen, dass Ihr Verein im Jahr 2025 Frauen noch immer systematisch ausschließt – und dies auch noch jedes Jahr durch eine „demokratische Abstimmung“ bestätigt. Eine Abstimmung, die einzig dazu dient, den Ausschluss aufrechtzuerhalten, ist kein Ausdruck von Demokratie, sondern institutionalisierte Diskriminierung.

    Besonders entlarvend wirkt dabei der Widerspruch: Viele Ihrer Mitglieder haben vermutlich Frauen an ihrer Seite, die tagtäglich Haushalt, Familie und unzählige Aufgaben übernehmen. Für diese selbstverständlichen Leistungen sind Frauen offenbar gut genug – für eine Mitgliedschaft in Ihrem Verein aber nicht? Das wirft ein äußerst fragwürdiges Bild auf das dort vertretene Frauenbild.

    Rechtlich sei angemerkt: Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist Diskriminierung aufgrund des Geschlechts unzulässig. Der Bundesfinanzhof hat zudem klargestellt, dass Vereine, die Frauen ausschließen, ihre Gemeinnützigkeit riskieren. Doch noch grundlegender ist der Blick in das Grundgesetz: Art. 3 GG garantiert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Auch wenn Grundrechte in erster Linie Abwehrrechte gegenüber staatlichem Handeln darstellen, verkörpern sie Prinzipien, die für ein gedeihliches gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbar sind.

    Die Berufung auf „Tradition“ macht das Ganze nicht besser – Tradition ist kein Freifahrtschein für Diskriminierung. Wer sie so missbraucht, macht sie zur Ausrede, um Ungleichheit und Ausgrenzung zu rechtfertigen. Statt Gemeinschaft zu fördern, stellt Ihr Verein sich mit dieser rückwärtsgewandten Haltung selbst ins Abseits.

    Und hier ein Appell an alle Frauen und Verbündeten: Seid laut! Auch wenn niemand von euch je in diesen frauenfeindlichen Schützenverein eintreten wollte, geht es um mehr. Es geht um Sichtbarkeit, um das Einstehen gegen Diskriminierung, um den klaren Widerspruch gegen Strukturen, die Frauen klein halten sollen. Schweigen bedeutet, diesen Anachronismus stillschweigend hinzunehmen – laut sein bedeutet, ihn endlich zu beenden.

    Gleichstellung ist keine Frage der Zukunft, sondern eine Selbstverständlichkeit im Hier und Jetzt. Jeder Tag, an dem Sie an diesem Ausschluss festhalten, ist ein Tag zu viel – und macht Ihren Verein offen frauenfeindlich und diskriminierend.

    1. Hallo „Anonym“!
      Vielen Dank für die ausführliche, sachliche Darstellung und die Sicht auf die rechtliche Seite. Schade ist allerdings auch hier, dass diese Meinung von „anonym“ geschrieben wurde.

        1. Der Vergleich hinkt. Eine geheime Wahl ist etwas ganz anderes – sie soll anonym sein, damit jeder frei entscheiden kann.
          Ein öffentlicher Kommentar dagegen ist keine Wahl. Da sollte man schon den Mut haben, mit seinem Namen zu seiner Meinung zu stehen.

  8. Lieber Alpha-Mann! Du möchtest also gerne im Mütterverein eintreten, ja? Schon gewusst: Der Mütterverein ist eine Vereinigung von Frauen innerhalb der männlich dominierten katholischen Kirche.
    Während du – dank des „richtigen“ Geschlechts – sogar Papst in dieser Kirche werden könntest, stellt man die Frauen seit jeher in der Kfd ruhig. Merkste was?

    1. ich bin fassungslos und traurig, dass es so etwas noch gibt.
      Beileid an die Frauen, die mit so einem Patriarchen verbandelt ist oder deren Mutter ist und damit gedroht wird die Schützenhalle
      für Karneval und Adventkaffee zu sperren noch trauriger. Ich wäre gerne Schützenschwester geworden, wenn auch nur passiv (dem Alter geschuldet), so aber dann als Unterstützung
      Es wird wohl keine Schützenkönigin 2026 geben gehe ich mal davon aus und auch keinen Hofstaat

  9. Was sollen solche unsinnigen Aussagen zum Boykott des Schützenfestes.
    Dann könnte man auch den Frauenkarneval und die Adventsfeier boykottieren indem man den Frauen die Halle verweigert. Denn da sind nur Frauen erwünscht. Im Gegensatz zum Schützenfest

    1. Hervorragende Idee. Und vielleicht muss der Boykott sogar noch weiter gehen – wie wäre es, für ein Jahr mal ganz fern zu bleiben? Und die Frauen, die im Hintergrund unten in der Halle wirken, sollten sich auch mal eine Auszeit nehmen. Schade, dass 29 Prozent der Abstimmenden eine so große Macht haben, die dazu führt, dass ausgerechnet in einem so schönen Dorf wie Büderich die Hälfte der Bevölkerung nur als „schmückendes Beiwerk“ oder willige Arbeitskräfte akzeptiert wird.

  10. Betrifft: Satzungsänderung Schützenverein Büderich 20.09.25
    Die Dreiviertelmehrheit für die Aufnahme von Frauen in unseren Schützenverein ist leider nicht erreicht worden, trotz eines sehr engagierten Appells von Seiten unseres Brudermeisters Michael Plott. Den Blick nach vorne, nämlich gleichberechtigt auch Frauen im Schützenverein aufzunehmen, haben
    55 von 195 Schützenbrüdernl eben nicht gehabt. Das ist bedauerlich, und man kann nur wünschen, dass dadurch die Dorfgemeinschaft in Büderich nicht belastet wird.
    Der Imageschaden für Büderich und den Schützenverein wird hoffentlich nicht eintreten.
    Übrigens: Frauen sind in fast allen Schützenvereinen im Kreis Soest willkommen und Mitglieder!

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