Bekanntlich ist das Büdericher Schützenfest ja eine (bier-)ernste Angelegenheit. Dass auch der Vorstand der Schützenbruderschaft sich mitunter selber auf die Schüppe nehmen kann, zeigt diese Gedicht, dass uns Elisabeth Bussmann dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.

Das Gedicht stammt aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre, als Wilhelm Schäfer-Distelhoff Brudermeister war und wurde vielleicht bei einer Vorstandsfeier vorgetragen. Es nimmt sich auf humorvolle Weise verschiedener Vorstandsmitglieder und deren Ehefrauen an. Wilhelm Schäfer-Distelhoff, Brudermeister von 1961 – 1966, sehen wir auf dem Beitragsbild hoch zu Ross. Eine Zeit, in der die Paraden noch von Pferden begleitet wurden.
Es folgt die Transkription des Gedichtes aus dem Sütterlin. Wer mag, kann sich gerne am Original versuchen.
Und was man all erleben kann
fängt man beim Brudermeister an.
Und ist’s beruflich so gesehen
man lernt von ihm durchs Fenster gehen.
Die Toni klettert hintendrein
wollte nur neugierig [sein]
ob Luzie sich hat zugedeckt
oder ob sie liegt bei Jupp im Bett
Der Heini stehet ganz betrübt,
denkt wo ist denn nur mein Lieb.
Doch Toni rufet mit Entzücken,
komm Heini ich kann auch noch drücken.
Heinrich und Maria rein
schauen noch ganz munter drein.
Stimmen bei mit viel Humor
wenn es geht hier lustig vor.

Und der Meister Franz der Diek
ißt den Käse wenns umsonst ihn giebt.
Und die Gerda ist noch schlauer
ißt die Eier bei Distelhoffs Bauer.
Büderich mach die Straßen breit
der Schmitz der kommt mit seiner Maid.
Bei Schmitzens gibt es viel Pläsier
Die Schmitzin hat viel Holz vor der Tür.
Der Ferdi ist ein Hampelmann
raucht Zigarren mit’m Bändken dran.
Erna rufet dann mit Grauen
kann durch den dicken Qualm nicht schauen.
Und der Hermann stimmungsvoll
wirkt auf Schützenfest ganz toll.
Die Thea stehet auf der Treppe
ruft ihm nach niu siup die over nit so dicke.

Der Dümpelmann wohl von der Bahn
tritt ganz baronenmäßig an.
Auf ihn man sich verlassen kann
die Anni hat ihre Freude dran.
Der Kaldewei das ist der Mann
der trägt die Fahne uns voran.
Doch Frieda liebt es gar nicht sehr
wenn er mal schaukelt hin u. her.
Adele kommt oweh oweh:
Ich sehe meinen Fritz nicht mehr.
Doch Fritzchen _______ ganz still u. leise
beim Augustin auf seine Weise.
Folgende Personen konnten wir zuordnen:
Brudermeister Wilhelm Schäfer-Distelhoff
Jupp = Josef Brinkmann und Ehefrau Luzie
Adjutant Heinrich Distelhoff
Franz Diek und Ehefrau Gerda
Wilhelm Schmitz
Geschäftsführer Ferdi Stemper und Frau Erna
Hermann Peukmann und Ehefrau Thea
Alois Dümpelmann und Frau Anni
Fähnrich Fritz Kaldewei
Adele und Fritz Krismann
Im übrigen sei noch erwähnt, dass offensichtlich in Büderich nicht nur Bier getrunken wurde. Der Schreibblock mit der Werbung für das „Himmlische Moseltröpfchen“ deutet darauf hin, dass der eine oder andere auch einem Glas Wein nicht abgeneigt war.
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Hallo zusammen,
zum Thema Wein (Mosel-Tröpfchen) zum Schützenfest vielleicht noch eine kurze Anmerkung. Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre wurde
das Schützenfest noch auf dem alten Ziegeleigelände in der Linde gefeiert und zwar unter der Woche, Montag, Dienstag, Mittwoch.
Zu dieser Zeit war es üblich, das am Hofstaatstisch Dienstags und Mittwochs nach der Parade nur Wein ausgeschenkt wurde.
Bier war hier verpönt. Wer mit Bier erwischt wurde musste eine Runde Wein ausgeben. Diese Information habe ich von Josef Bange. Er ist leider im
Juli 2008 verstorben, so dass wir in hierzu nicht mehr befragen können. Ein Mitglied des Hofstaates wurde immer benötigt, um die Getränkeabrechnung am Hofstaatstisch mit dem Fest wird zu koordinieren, hierzu wurde oft Josef Bange ausgewählt, da er dies zuverlässig abwickelte. Er war mit seiner Frau Elisabeth also oft im Hofstaat vertreten.
Das letzte Schützenfest mit Pferdebegleitung fand 1977 statt, dann viel auch dieser alte Brauch den ständig steigenden Sicherheitsanforderungen zum Opfer. Hermann Peukmann, sen. war zu dieser Zeit Brudermeister, sein Adjutant Norbert Scheele.
Bruno Auer, 28.06.2026